Die Juden von Saaz

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Luftbrücke Saaz/Žatec – Ekron/Israel

Der Saazer Militärflugplatz und die Luftbrücke nach Israel

 

Der Saazer Militärflugplatz, den Hitler kurz vor Kriegsende bauen ließ, hat – Paradox der Geschichte – in der Nachkriegsgeschichte der Tschechoslowakei, aber auch für Saaz eine zentrale Rolle gespielt. Er war der zweitgrößte Militärflugplatz. Er soll eine Überleitung in die neue Geschichte der Freundschaft zwischen der Tschechischen Republik und Israel sein, davon sprach  auch der Botschafter von Israel und es ist einer der Grundsteine der Beziehung zwischen Tschechien und Israel.

 

Avie-Israel-1947Im Jahr 1948 kämpfte der neu gegründete Staat Israel um sein Überleben. Ein Land, das diesen Kampf nachdrücklich unterstützte, war die Tschechoslowakei. Schon die erste Republik unterhielt gute Beziehungen zur zionistischen Bewegung, und Anfang der dreißiger Jahre fand hier ein zionistischer Kongress statt. Eines der Centren des Zionismus war das damalige Karpaten-Russland, das 1920 der Tschechoslowakei zugesprochen wurde.

 

Am Beginn der freundschaftlichen Beziehung zum Judentum steht das Auftreten des späteren Präsidenten Masaryk in der Hilsner-Affäre um 1900, in der es um einen angeblichen Ritualmord ging. Sie wurde gefestigt nach den Krieg, als die tschechoslowakische Regierung die jüdischen Agenturen und zionistische Organisationen bei der Gründung des Staates Israel unterstützte.

 

Der Historiker Vladimír Nálevka erklärt, das am wichtigsten dabei die militärische Hilfe im Jahre 1948 war:

 

    „Es ist nicht übertrieben, dass der arabisch-israelische Konflikt ohne dieser Hilfe anders ausgefallen wäre. Tatsache ist, dass die Vertreter der Hagana, einer militärischen Untergrundorganisation, einen Vertrag über den Einkauf von Waffen im Jahr 1947 mit der Tschechoslowakei abschlossen, also noch vor 1948.”

 

Diese Unterstützung wurde von der kommunistischen Regierung nach dem Februar 1948, der kommunistischen Machtübernahme, fortgesetzt. UdSSR unterstützte nämlich die Gründung des Staates Israel, weil sie hoffte, dass der neue Staat ein verlängerter Arm der sowjetischen Machtpolitik im Mittelmeer sein würde.

 

So kam es zu Beginn des Kalten Krieges zu einer paradoxen Zusammenarbeit von Amerikanern, UdSSR und Tschechoslowakei. Die USA und die UdSSR haben als erste Regierungen Israel anerkannt und die Tschechoslowakei als drittes Land. Die tschechoslowakischen Spitfire-Flugzeuge und andere militärischen Lieferungen waren nach Israel unterwegs:

 

    “Es wurde die Luftbrücke Žatec|Saaz–Bari-Haifa errichten, über die tschechoslowakische Waffen nach Israel ausgeflogen wurden, überwiegend handelte es sich um Militärbeute aus ehemaligen deutschen Beständen der Wehrmacht. Auf dem Saazer Militärflughafen landeten amerikanische Dakota-Maschinen, mit freiwilligen Piloten und erfundenen Hoheitszeichen südamerikanischer Staaten.  Tatsache ist, dass diese Luftbrücke die Sommeroffensive der israelischen Armee entschied und zu einer Wende der bisher für Israel negativen militärischen Situation führte.”

 

Im Grunde hatte die Tschechoslowakei seit 1945 auch an der Besiedlung Israels Anteil – wieder auf Grund eines Paradoxes: Viele Juden, die den Krieg überlebten, waren in der Tschechoslowakei nicht mehr gelitten, da sie als Deutsche galten. Die Einwanderung organisierten, für den noch nicht existenten israelischen Staat,  die Hagana und der Geheimdienst Mossad. In der Tschechoslowakei organisierte eine eigene Abteilung die illegale Einwanderung der Juden aus ganz Osteuropa.  Die tschechoslowakischen Regierungsbeamten und Teile des Nachrichtendienstes schufen  dafür Transportwege und stellten finanzielle Mittel aus geheimen Quellen zur Verfügung. Die Transporte wurde in Bayern den Amerikanern übergeben, und diese haben sie heimlich zur Häfen an der Adria geleitet. So weit Vladimír Nálevka, Professor an der Prager Karlsuniversität.

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