Die Juden von Saaz

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Saazer gedenken jüdischer Nazi-Opfer

Tschechen und Deutsche erinnern auf dem Jüdischen Friedhof von Saaz/ Žatec gemeinsam an die Ermordung der jüdischen Mitbürger


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Am Montag, den 27. Mai 2013 trafen sich Bürger aus Saaz/ Žatec, Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Teplitz/ Teplice und deutsche Saazer aus der Bundes­republik zur Gedenkveranstaltung „Der Genozid an den Saazer Juden“. Sie gedachten damit des schrecklichen Schicksals der Saazer Juden während der Okkupation Böhmens 1938-1945 durch das nationalsozialistische Deutschland. Bevor die Nazis kamen, stellten die Juden, die sich überwiegend zur deutschen Volksgruppe bekannten, ein Zehntel der Saazer Bevölkerung. Heute lebt nur mehr eine Familie hier, deren Mitglieder in der Jüdischen Gemeinde Teplitz aktiv sind. Saaz hat keine eigene Jüdische Gemeinde mehr.

 

Einleitende Worte sprach Petr Šimáček, Vorsitzender der „Freunde und Landsleute der Stadt Žatec“, der im Besonderen die Saazer Landsleute aus der Bundesrepublik begrüßte. Die Mitglieder des Heimatkreises Saaz unter ihrem Vorsitzenden Adolf Funk hatten am Tag zuvor in Postelberg der deutschen Opfer von Gewalt und Vertreibung nach dem Krieg gedacht. Jetzt legten sie auch für die jüdischen Opfer Blumen nieder. Bei den tschechischen Gastgebern machte dies großen Eindruck. Bürgermeisterin Hamousova ging darauf beim Empfang im Rathaus am nächsten Tag ausdrücklich ein.

 

Gabriela Beckova, Stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Teplitz und Enkelin des letzten Kantors der Saazer Jüdischen Gemeinde, erzählte in ihrer Rede die Geschichte der Juden und des Jüdischen Friedhofs von Saaz. Jan Novotny, der Stellvertretende Bürgermeister von Saaz, sprach von Gelassenheit, Demut und Versöhnung als drei Tugenden, die er sich bei der Bewältigung der gemeinsamen Vergangenheit von Tschechen, Deutschen und Juden wünscht. Otokar Löbl, Vorsitzender des deutschen Fördervereins der Stadt Saaz/ Žatec, erinnerte an den Verlust, den Saaz durch das Ende der jüdischen Kultur in seinen Mauern erliOLYMPUS DIGITAL CAMERAtten hat, und machte einen Exkurs in die Geschichte von Rassismus und Antisemitismus zur Zeit des späten Kaiserreichs und der ersten Tschechoslowakischen Republik. Er  warnte vor wiedererwachender Judenfeindlichkeit in rechtskonservativen und rechtskatholischen Kreisen der heutigen tschechischen Republik.

 

Nach der Niederlegung von Blumen an der Gedenkplatte schloss die Feier­lichkeit mit einem jüdischen Gebet. Veranstalter der Gedenkfeier waren die jüdische Gemeinde Teplitz, der Förder­verein der Stadt Saaz / Žatec, die Ver­einigung der Landsleute und Freunde der Stadt Žatec, der Heimatkreis Saaz und die Stadt Žatec. Sie ist Teil des Projekt „Die Juden von Saaz“, mit dem der Förderverein der Stadt Saaz/ Žatec den bedeutenden Beitrag in Erinnerung bringen möchte, den die Juden zu Wirtschaft und Kultur der tschechischen und deutschen Geschichte im Saazer Land geleistet haben.

 

Die tschechische Presse berichtete lokal und landesweit von der Veranstaltung, ebenso das Saazer Regionalfernsehen.

 

28. Mai 2013                                                              Dr. Andreas Kalckhoff, Pressesprecher

 

                                                           

 

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Besuch aus Israel in Saaz

Saaz besuchte in Rahmen unseres Projekte „Die Juden von Saaz“ Frau Jane Vogel Kohai aus Israel. Sie ist die Urenkelin des Saazer Rabiners Dr. A r o n B a e r w a l d von 1881—1891; geboren am 9. Februar 1854 in Nakel a. d. Netze in Posen. Er besuchte das Gymnasium in Lissa i. P. und genoss dort seinen ersten Talmudunterricht bei seinem Oheim, dem Talmudisten R. Hamburger. 1873 bezog er die Universität Breslau und das Jüdisch-theologische Seminar daselbst. 1877 promovierte er zum Doktor auf Grund seiner Arbeit: „Flavius Josephus in Galiläa“, 1881 wurde er nach bestandenem Rabbinerexamen zum Rabbiner in Saaz erwählt, wo er im 37. Lebensjahre am 3. Jänner 1891 gestorben ist und daselbst beerdigt wurde. — Sein Sohn ist der Münchener Rabbiner Dr. Leo Baerwald.

Sie wurde von der Stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frau Gabriela Becková  und Herrn Šimáček von den Förderverein begrüsst und man zeitge ihr die Synagoge, den jüdischen Friedhof und die historische Stadt Saaz, von der sie sehr begeister war.  Frau Vogel Kohai versprach unser Projekt in Israel zu unterstüzen und möchte bald Saaz wieder besuchen.

 

Brundibar

Aufführung der Kinderoper „Brundibar“ in Saaz

brunFoto-1Am 4. November 2010 wurde im Saazer Stadttheater von Prager Kinderchor „Disman“ des Prager Rundfunk die Kinderoper „Brundibar“ aufgeführt. Diese Aufführung war ein Ausklang der Ausstellung über die Saazer Juden von Vortag. Die Veranstaltung wurde von der Stadt gefördert und der Eintritt wurde der Jüdischen Gemeinde für die Sanierung des jüdischen Friedhofes gestiftet. Der Veranstalter war der Förderverein der Stadt Saaz/Zatec

Die Kinderoper Brundibár (zu deutsch: „Die Hummel“) komponierte Hans Krása zu einem Text von Adolf Hoffmeister 1938. Sie wurde 1941 im jüdischen Kinderheim in Prag uraufgeführt. Nach seiner Deportation in das Ghetto Theresienstadt schrieb Hans Krása die Partitur erneut nieder, da er sie nicht hatte mitnehmen können.

In Theresienstadt wurde die Oper 55 mal gespielt und gab damit den teilnehmenden Kindern ein Stück Normalität und Freude zurück. Die Rollen mussten immer wieder neu besetzt werden, da viele der Darsteller in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ verwendete einen Ausschnitt aus der Oper, um zweifelnden Leuten vorzutäuschen, wie normal und glücklich die Deportierten lebten. Hans Krása und fast alle Ausführenden wurden kurz darauf in Auschwitz ermordet.

Handlung:  Pepíček und Aninka, zwei arme Geschwister, wollen ihre kranke Mutter retten. Der Arzt verschrieb ihr Milch, doch ohne Geld bekommen sie keine vom Milchmann. Sie beobachten den LeierkastenmannBrunddibar-plakat Brundibár, der für seine Musik Münzen erhält, und beschließen, es mit ihrem Gesang ebenso zu versuchen. Doch der böse Brundibár vertreibt sie vom Marktplatz. Ratlos wollen sich die Kinder schlafen legen, als ein Spatz, eine Katze und ein Hund auftauchen und ihnen ihre Hilfe anbieten. Zusammen alarmieren sie alle Kinder aus der Nachbarschaft, überwältigen gemeinsam Brundibár und erhalten durch ihren Gesang ihr Geld zurück, welches aber von Brundibár gestohlen wird. Kinder und Tiere jagen Brundibár und bekommen das Geld für die Mutter zurück. Das Finale der Oper besteht in einem triumphalen Marsch, der an das bedingungslose Zusammenhalten von Freunden appelliert.

Wenngleich der Inhalt der Oper auf den ersten Blick frei von Politik ist, betonen überlebende Mitwirkende aus Theresienstadt immer wieder, dass Brundibár, der fortgejagt wird, für sie Hitler darstellte, den sie so in der Oper durch ihr Zusammenhalten verjagen konnten. Insofern bekommt die Oper bei genauerer Betrachtung eine zweite, tiefere Ebene als die schlichte Geschichte der Kinder, die Milch für ihre Mutter brauchen.

Die Lösung des Konflikts der Kinder mit dem Drehorgelmann allein mit Mitteln der Gewalt erscheint in einer demokratischen Gesellschaft als pädagogisch zweifelhaft. Sie wird nur verständlich vor dem geschichtlichen Hintergrund von Krieg und Völkermord.

Ausstellung in Saaz

Ausstellung  „Die Juden von Saaz“ 

Am Mittwoch den 3. November 2010 wurde im Saazer Stadtmuseum die Ausstellung des Fördervereins Saaz über die Geschichte der Juden von Saaz eröffnet. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit den Stadtmuseum Saaz und mit Hilfe der Exponate des Prager jüdischen Museums hergestellt. Sie ist ein Teil des Projektes „Die Juden von Saaz“ . Die Eröffnungsrede hielt der Vorsitzender des Fördervereins Otokar Löbl. Anwesend waren die Vertreter der Stadt und der regionalen und nationalen Presse aus Prag. Der Ehrengast war die 90 jährige Eva Roubičková – Mändel,  eine gebürtige Saazer Jüdin, deren Vater Professor auf den Saazer auf den Gymnasium in Saaz war und der ein Teil der Geschichte der Saazer Juden niederschrieb. Frau Roubickova überlebte das Ghetto von Theresienstadt und ihre Geschichte habe sie in den Buch „Das Theresienstädter Tagebuch“ niedergeschrieben, dieses ist auch in deutsche Sprache erchienen.  Aus Paris kam Michael Sommer, der Sohn eines Saazer Hopfenhändlers, dessen Vater in KZ Treblinka ermordet wurde. Die zahlreichen Besucher waren sehr ergriffen und zeigten auch großes Interesse auf unseren  Film über unsere Reise nach Israel auf den Spuren des Saazer Juden. Am nächsten Tag erschienen zahlreiche Artikel in der Presse und auch das regionale Fernsehen berichtete ausführlich über diese Ausstellung.

 

Fotos der Ausstellung

 

Deutsch – tschechische Delatation besucht ehemalige Saazer in Israel

Deutsch-tschechische Delegation besucht ehemalige Saazer in Israel

Frankfurt am Main/ Tel Aviv – Ende März besuchte eine deutsch-tschechische Delegation ehemalige Saazer Bürger,  die den Holocaust überlebt und danach in Israel eine neue Heimat gefunden haben. Die Befragung dieser Zeitzeugen wird Teil einer Dokumentation des deutsch-jüdischen Lebens in Saaz vor dem Zweiten Weltkrieg sein, die in einer Saazer Ausstellung präsentiert werden soll. Dabei wird auch die tschechische Hilfe für den jungen Staat Israel dokumentiert werden, die über den Saazer Militärflughafen abgewickelt wurde und zur Gründung des jüdischen Staates beitrug. Dazu konnte die Delegation weitere Zeitzeugen befragen. Die israelischen Medien berichteten in diesem Zusammenhang auch über Saaz (Žatec) und Teplitz-Schönau (Teplice v Cechach) als touristische Ziele.

Die Delegation bestand aus Vertretern des deutschen „Fördervereins der Stadt Saaz/ Žatec“, der tschechischen „Landsleute und Freunde der Stadt Žatec“ und der Jüdischen Gemeinde Teplitz (Teplice), die heute für Saaz zuständig ist. Das Projekt „Juden in Saaz“ will der tschechischen Öffentlich-keit, insbesondere aber der Jugend von Saaz das weitgehend unbekannte Leben und Schicksal der Juden von Saaz und des Saazerlands nahebringen. Dazu erklärte Otokar Löbl,  Vorsitzender des deutschen „Fördervereins“ und Initiator des Projekts:

„Mit der Dokumentation des jüdischen Lebens in Saaz vor dem Zweiten Weltkrieg mit Hilfe von Archivmaterialien und Zeitzeugen, die den Holo-caust überlebt und in Israel eine neue Heimat gefunden haben, wollen wir konkrete Menschen vorstellen, die in Saaz wohnten und am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Stadt teilhatten. Dies kann auch gegen den zwar schwachen und verdeckten, aber immer noch gegenwärtigen Antisemitismus helfen.“ Löbl setzt sich außerdem für die Restaurierung und Erhaltung der materiellen Spuren der Juden in Saaz ein, wozu vor allem der jüdische Friedhof und die berühmte Synagoge zählen.

Die Befragung der Zeitzeugen wurde zu einem bewegenden Moment. Die heute achtzig- und neunzigjährigen Israeli bekamen leuchtende Augen, als sie über ihre Jugend in Saaz berichteten. „Es war das erste Mal, daß sie Besuch aus ihrer alten Heimat bekamen, abgesehen von Verwandten“  sagte Otokar Löbl.

Unterstützung erhielt die Delegation auch vom tschechischen Botschafter in Israel: „Herr Tomas Pojar begrüßte unsere Aktivitäten und bot uns Hilfe und Zusammenarbeit an“, erklärte der Vorsitzende der „Landsleute und Freun-de“, Petr Šimáček. „Dank seiner Hilfe konnten wir einige ehemaligen Saazer und israelische Militärveteranen besuchen, über deren Aussagen und Erinnerungen wir einen  Dokumentarfilm gedreht haben.“

Der Vorsitzende  der jüdische Gemeinde Teplitz, Oldrich Latal, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Reise:  „Das Projekt des Fördervereins deckt sich mit den Bestrebungen unserer Gemeinde maximal. Nicht nur, daß wir die Schicksale von Menschen aus dem Saazer Land dokumentieren und so für die Zukunft unschätzbare Informationen retten konnten, sondern wir haben diesen Menschen mit der Erinnerung an ihr früheres Leben auch eine große Freude gemacht. Diese Mission wurde von Herrn Löbl her-vorragend vorbereitet und ist ein Meilenstein für unsere weitere Zusam-menarbeit.“

2. April 2010       Dr. Andreas Kalckhoff, Pressesprecher

Projekt  „Juden in Saaz“