Die Juden von Saaz

Startseite » Aktionen » Brundibar

Brundibar

Neueste Kommentare

Kommende Ereignisse

Keine bevorstehenden Ereignisse

Kategorien

Aufführung der Kinderoper „Brundibar“ in Saaz

brunFoto-1Am 4. November 2010 wurde im Saazer Stadttheater von Prager Kinderchor „Disman“ des Prager Rundfunk die Kinderoper „Brundibar“ aufgeführt. Diese Aufführung war ein Ausklang der Ausstellung über die Saazer Juden von Vortag. Die Veranstaltung wurde von der Stadt gefördert und der Eintritt wurde der Jüdischen Gemeinde für die Sanierung des jüdischen Friedhofes gestiftet. Der Veranstalter war der Förderverein der Stadt Saaz/Zatec

Die Kinderoper Brundibár (zu deutsch: „Die Hummel“) komponierte Hans Krása zu einem Text von Adolf Hoffmeister 1938. Sie wurde 1941 im jüdischen Kinderheim in Prag uraufgeführt. Nach seiner Deportation in das Ghetto Theresienstadt schrieb Hans Krása die Partitur erneut nieder, da er sie nicht hatte mitnehmen können.

In Theresienstadt wurde die Oper 55 mal gespielt und gab damit den teilnehmenden Kindern ein Stück Normalität und Freude zurück. Die Rollen mussten immer wieder neu besetzt werden, da viele der Darsteller in Vernichtungslager deportiert wurden. Der Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ verwendete einen Ausschnitt aus der Oper, um zweifelnden Leuten vorzutäuschen, wie normal und glücklich die Deportierten lebten. Hans Krása und fast alle Ausführenden wurden kurz darauf in Auschwitz ermordet.

Handlung:  Pepíček und Aninka, zwei arme Geschwister, wollen ihre kranke Mutter retten. Der Arzt verschrieb ihr Milch, doch ohne Geld bekommen sie keine vom Milchmann. Sie beobachten den LeierkastenmannBrunddibar-plakat Brundibár, der für seine Musik Münzen erhält, und beschließen, es mit ihrem Gesang ebenso zu versuchen. Doch der böse Brundibár vertreibt sie vom Marktplatz. Ratlos wollen sich die Kinder schlafen legen, als ein Spatz, eine Katze und ein Hund auftauchen und ihnen ihre Hilfe anbieten. Zusammen alarmieren sie alle Kinder aus der Nachbarschaft, überwältigen gemeinsam Brundibár und erhalten durch ihren Gesang ihr Geld zurück, welches aber von Brundibár gestohlen wird. Kinder und Tiere jagen Brundibár und bekommen das Geld für die Mutter zurück. Das Finale der Oper besteht in einem triumphalen Marsch, der an das bedingungslose Zusammenhalten von Freunden appelliert.

Wenngleich der Inhalt der Oper auf den ersten Blick frei von Politik ist, betonen überlebende Mitwirkende aus Theresienstadt immer wieder, dass Brundibár, der fortgejagt wird, für sie Hitler darstellte, den sie so in der Oper durch ihr Zusammenhalten verjagen konnten. Insofern bekommt die Oper bei genauerer Betrachtung eine zweite, tiefere Ebene als die schlichte Geschichte der Kinder, die Milch für ihre Mutter brauchen.

Die Lösung des Konflikts der Kinder mit dem Drehorgelmann allein mit Mitteln der Gewalt erscheint in einer demokratischen Gesellschaft als pädagogisch zweifelhaft. Sie wird nur verständlich vor dem geschichtlichen Hintergrund von Krieg und Völkermord.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: